Kategorie: Kolumne

  • WsK Kolumne: Transformation – Kaufbeuren als Optimus Prime

    WsK Kolumne: Transformation – Kaufbeuren als Optimus Prime

    Nach ein paar Monaten „Auszeit“ wurde es wieder Zeit für einen Kolumnenbeitrag auf Wir sind Kaufbeuren. Diesmal ein Thema, welches (mir) sehr wichtig ist, aber auch schwer zu erklären. Ich versuchte mein Bestes…


    Was würde eine echte Transformation für Kaufbeuren bedeuten?
    Ganz konkret: schnellere und verständlichere Verwaltungsprozesse, modernere digitale Angebote, weniger Bürokratie und klarere Zuständigkeiten. Für die Wirtschaft heißt es: mehr Planungssicherheit, bessere Daten, effizientere Genehmigungen und ein Standort, der mit den Herausforderungen der Zukunft mithalten kann. Kurz: eine Stadt, die besser funktioniert – für alle.


    Wer „Transformation“ hört, denkt oft an große Maschinen, die sich in Sekunden in riesige Roboter verwandeln. Die Älteren kennen das noch aus der Trickfilmserie der 80er, die Jüngeren aus Hollywood-Filmen voller Explosionen und metallischem Scheppern.

    Doch genau hier beginnt das Missverständnis.

    Transformation in der echten Welt funktioniert ganz anders:
    Sie ist leiser, anstrengender und weniger spektakulär – aber dafür viel wirkungsvoller.

    Transformers verwandeln sich, weil es cool aussieht.
    Organisationen, Städte und Unternehmen verwandeln sich, weil sie es müssen, um zukunftsfähig zu bleiben.

    Vom Kugellager zum Motion-Technology-Unternehmen

    Ein Beispiel aus der realen Welt: mein Arbeitgeber Schaeffler, für den ich in der Strategischen Digitalisierung arbeite.

    Lange galt Schaeffler als klassischer Autozulieferer – technisch stark, aber ein Teil eines großen Systems.
    Heute verfolgt das Unternehmen ein neues Selbstverständnis: The Motion Technology Company.

    Das klingt nach Marketing – ist aber handfeste Strategie.
    Während viele Firmen in der aktuellen Automobilkrise kämpfen, legt Schaeffler beim Aktienkurs plötzlich 60 % in einem Jahr zu. Nicht wegen eines neuen Logos, sondern wegen echter Veränderung:

    • neue Technologien
    • neue Geschäftsfelder (z. B. E-Antriebe, Robotik, Rüstung)
    • klare Zukunftsbilder
    • und einer „Architektur“, die alles zusammenhält

    Architektur heißt hier:
    Wie Prozesse, Fähigkeiten, Daten, Systeme und Ziele so aufeinander abgestimmt werden, dass die Organisation als Ganzes funktioniert – nicht als Stückwerk.

    Transformation heißt also nicht nur die Form zu wechseln.
    Transformation heißt, innen wie außen neu zu denken.
    Und sie ist kein Projekt – sondern eine Fähigkeit.

    Und Kaufbeuren? Wo steckt unser innerer „Optimus Buron“?

    Transformation klingt groß und mächtig – fast zu monumental für eine Stadt wie Kaufbeuren.
    Aber genau hier wird es spannend:

    Kommunale Transformation muss nicht laut sein. Sie muss verständlich sein.

    Denn eine Stadt ähnelt in vieler Hinsicht einer Organisation im Wandel:

    • viele unterschiedliche Interessensgruppen (BürgerInnen, Politik, Verwaltung, Vereine, Wirtschaft)
    • gewachsene Strukturen
    • Abhängigkeiten, die man erst erkennt, wenn man etwas ändern will
    • veränderte Rahmenbedingungen (Corona-Krise, Finanzkrise, etc.)

    Um diesen Wandel zu steuern, gibt es Werkzeuge wie Enterprise Architecture Management (kurz EAM).
    Das klingt kompliziert, bedeutet aber etwas Einfaches:

    EAM hilft, eine Organisation (z. B. Unternehmen oder Kommune) als Gesamtsystem zu verstehen – also Prozesse, Daten, Fähigkeiten, IT, Organisation und Ziele miteinander abzustimmen.

    Und TOGAF?
    Das ist ein international anerkanntes Rahmenwerk, ein „Bauplan“, der beschreibt, wie man:

    1. den heutigen Zustand versteht (IST)
    2. das Zielbild beschreibt (SOLL)
    3. den Weg dorthin strukturiert plant

    Kurz: Es hilft, planvoll statt zufällig zu modernisieren.

    Warum beginnt echte Transformation bei Daten?

    Viele erwarten, dass Transformation mit Bauprojekten, Umstrukturierungen oder digitalen Formularen beginnt.
    Doch der erste Schritt ist unsichtbar:

    Transformation beginnt mit Daten.
    Und mit Transparenz.

    • Daten machen Abläufe sichtbar (z. B. wo Anträge hängen bleiben).
    • Transparenz macht Entscheidungen nachvollziehbar (z. B. warum eine Straße saniert wird).
    • Architektur sorgt dafür, dass beides steuerbar ist – also nicht im Chaos endet.

    Eine Stadt braucht ein gemeinsames Verständnis davon:

    • wie sie heute arbeitet
    • wo Abhängigkeiten bestehen
    • welche Systeme welche Daten nutzen
    • wo Doppelarbeit entsteht
    • und wie sie in Zukunft funktionieren soll

    Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht.
    Viele Kommunen springen direkt zum „Lösungen kaufen“, statt erst zu verstehen, was sie eigentlich brauchen.

    Ein kommunales EAM würde Kaufbeuren unterstützen:

    • Abhängigkeiten sichtbar zu machen
    • Redundanzen zu vermeiden
    • Schnittstellen zu standardisieren (damit Services zusammenspielen)
    • digitale Angebote für BürgerInnen zu verbessern
    • Haushaltsentscheidungen fundierter zu treffen
    • Datenquellen zu verbinden
    • eine klare, nachvollziehbare Zukunftsvision zu entwickeln
    • Prozesse zu beschleunigen

    Kurz: Effizienter und schneller zu arbeiten um u. a. Geld zu sparen und flexibler aufgestellt zu sein.

    Transformation entsteht nicht durch hektisches Handeln – sondern durch strukturiertes Verstehen und gemeinsames Ausrichten.

    Was müsste Kaufbeuren tun?

    Keine Revolution.
    Keine Laserkanonen.
    Keine Roboter, die sich in Ampelmasten verwandeln.

    Sondern:

    • Daten sammeln, ordnen und sichtbar machen
    • Grundsätze für die Stadt-„Architektur“ definieren
      (z. B. Offenheit, Wiederverwendbarkeit, Transparenz, Standardisierung)
    • ein gemeinsames Zielbild entwickeln, das auch Nicht-Fachleute verstehen
    • Prozesse über Ressortgrenzen hinweg visualisieren und abstimmen
    • mutig Klarheit schaffen statt Stückwerk produzieren

    Wenn Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft ein gemeinsames Bild vom „Ziel-Kaufbeuren“ haben, entsteht Transformation fast automatisch. Nicht laut, aber nachhaltig.

    Fazit: Transformation ist weniger Hollywood – mehr Handwerk

    Während Transformers ihre Form wechseln, um Endgegner zu besiegen, verändern Städte sich, um ihre Zukunft zu sichern.

    Oft sieht das nach außen unspektakulär aus – doch innerlich bedeutet es:

    • ein neues Denken
    • ein neues Arbeiten
    • ein neues Selbstverständnis

    Transformation ist kein Spektakel.
    Transformation ist eine Fähigkeit.

    Und vielleicht ist das die größte Gemeinsamkeit zwischen Optimus Prime und einer Kommune:

    Beide müssen zuerst verstehen, wer sie sein wollen – bevor sie sich verwandeln können.

  • Erkenntnisse aus den Workshops

    Erkenntnisse aus den Workshops

    In meinem zweiten Kolumnenbeitrag auf „Wir sind Kaufbeuren“ geht es um die Erkenntnisse aus meinen Schülerworkshops

    Wie tickt eigentlich unsere Jugend? Nutzen sie bereits KI und wie erreicht man sie als Stadt am besten? Diese und andere Fragen sind der Grund für meine regelmäßigen Workshops mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulen. Durchgeführt wurden diese bisher (teilweise mehrfach) an der Jörg-Lederer-Mittelschule, am Jakob-Brucker-Gymnasium, an der Sophie-La-Roche-Realschule und an der BOS Kaufbeuren. Im Rahmen der Workshops sprachen wir über den digitalen Alltag, Medienkonsum und künstlicher Intelligenz. Gerade aus dem Bereich der Wirtschaft kann ich hier für den einen oder anderen Schüler manch interessante Information geben, z. B. wie KI dort eingesetzt wird. Wie es bei einem Workshop ist, ist das Ganze nicht einseitig, sondern der Input von den Schülerinnen und Schülern ist genauso wichtig. Hierzu gab es immer wieder verschiedene Fragen, auf welche sie über ihr Smartphone anonym die Antworten liefern konnten. Dies kam besonders gut an und es wurden immer viele Antworten geliefert.

    Was sind aber die Erkenntnisse aus den Workshops?

    Bei den sozialen Netzwerken ist TikTok mittlerweile die #1, welches Instagram knapp vom Thron stieß. Sehr weit dahinter finden sich u.a. Facebook, aber auch X (ehem. Twitter) oder Reddit.

    Deutlich weniger verbreitet, aber nachvollziehbar, sind die kommunalen Apps: Etwa ein Drittel der Schüler*innen kennen die Buron-App, wobei der Kreis der aktiven Nutzer natürlich geringer ist. Die Abfall-App ist nochmal mit 10% deutlich weniger verbreitet, was bei der Altersgruppe durchaus verständlich ist. Die Störmelder App kennen etwa 5%, während andere Apps wie z. B. TabRace gänzlich unbekannt sind.
    Bei der Digitalisierung im schulischen (3,6), kommunalen (7,1) und privaten Umfeld sehen die Schülerinnen und Schüler deutliches Potenzial. Im privaten Bereich ist man mit 8,2 Punkten von maximal 10 natürlich am zufriedensten. 


    Die größten Diskussionen gab es zum Thema Künstlicher Intelligenz: Ein Drittel hat KI noch nie genutzt, während lediglich ein Fünftel ChatGPT, Copilot & Co regelmäßig z. B. für Hausaufgaben und Präsentationen nutzen. Die eigenen KI-Kompetenzen aber auch die der Lehrkräfte werden hier auf sehr mittelmäßig eingeschätzt, wobei hier bereits manche Lehrkraft als positives Beispiel genannt wurde. Man sprach beim Workshop nicht nur über Chancen, sondern auch über Risiken, welche durch die KI entstehen. Der Tenor, auch bei den Lehrkräften, war jedoch, dass man sich zumindest mit der Thematik KI aktiv auseinandersetzen sollte. Hierbei wies beim Workshop an der Jörg-Lederer-Mittelschule Rektor Christian Gebauer auf einen Beschluss der „Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK/Bonn) der Kultusministerkonferenz“ hin, dass KI künftig ab der achten Klasse aktiv zum Unterricht dazu gehören soll.

    Abschließend sprach ich mit den Schülerinnen und Schülern noch über die Nachrichtenquellen: 40% der Schülerinnen und Schüler nutzen primär Social Media als Nachrichtenquelle, auf Platz 2 die Eltern mit gerade einmal 27%. Hier wies ich mit konkreten Beispielen auf die Gefahren durch Soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle hin und auf was man dabei achten muss, gerade bei der enormen Quantität an Falschmeldungen sowie dem Einsatz von KI für gänzlich falsche oder verfälschte Bilder und Videos. Dies führte zu mancher Diskussion aber auch Beispiele seitens der Schüler oder auch Lehrkräften. Zudem ist die Erreichbarkeit ein ganz großes Thema: Wie erreiche ich als Kommune die Schülerinnen und Schüler, sei es für sie relevante Nachrichten oder aber auch für Veranstaltungen wie z. B. dem Jugendforum? Eine klare Antwort hierauf gibt es leider nicht. Es benötigt hier in meinen Augen ein umfassendes Kommunikationskonzept

    Die Workshops werden unregelmäßig durchgeführt. Sollte eine Schule Interesse haben, dass ich dort einen Workshop durchführe, kann man sich gerne über stadtrat@uhrle.com melden.

  • In KF-OAL kein Interesse an KI?

    In KF-OAL kein Interesse an KI?

    Das Portal „Wir sind Kaufbeuren“ startete Kolumnen mit verschiedenen Stadtvertretern. Ich freu mich, hier einen Beitrag leisten zu können, indem ich nun auch unregelmäßig Artikel veröffentliche. Nachfolgend der erste.

    Anfang Juli stellte Referent Andreas Bauer das Ergebnis der Unternehmensbefragung 2024 der Wirtschaftsregion Ostallgäu-Kaufbeuren im Verwaltungs-, Finanz- und Stiftungsausschusses der Stadt Kaufbeuren vor. Zwischen Februar und April 2024 wurden 1.168 Betriebe im Landkreis Ostallgäu und 306 Betriebe in der Stadt Kaufbeuren aus sämtlichen Branchen angefragt, wobei knapp 23% der Betriebe die Fragebögen ausfüllten. Man kann hier somit durchaus von einer repräsentativen Umfrage sprechen. Hierbei ging es beispielsweise um Standortzufriedenheit, Fachkräftesicherung, Nachhaltigkeit, Anforderungen der Wirtschaft, aber auch um Digitalisierung. Besonders auffällig an den Rückläufen war, dass die Hälfte der antwortenden Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe waren, welches an der Ostallgäuer Gesamtwirtschaft im Gesamten etwa 25% ausmacht.

    Unter den vielen Bereichen gab es einen auf die Zukunft ausgerichteten: „Entwicklungspläne der Betriebe bis 2027“. Dabei fiel mir besonders ein Punkt auf „Einsatz künstlicher Intelligenz (KI)“ mit 34,9%. Also lediglich 34,9% der Betriebe wollen sich bis 2027 mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen, sprich 65%, also zwei Drittel wollen das NICHT. Das hat mich mit meinem Background doch etwas schockiert.

    Wir reden hier nicht über eine Zukunftstechnologie wie Quantum Computing, sondern über eine, welche bereits voll in der Gegenwart angekommen ist. Sie befindet sich zwar, wie vieles, weiter in der Entwicklung, ihr Potenzial ist aber bereits voll nutzbar. Und das für nahezu jeden Wirtschaftszweig. Hierbei geht es nicht um das Erstellen von lustigen Bildchen, kleinen Liedern oder eine Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder. KI kann die Produktivität stark erhöhen und auch zum Wettbewerbsvorteil werden, wenn man sie richtig nutzt. Ich arbeite für einen der größten Automobilzulieferer der Welt, welcher u.a. auch eine Sondermaschinenbausparte hat und ein wichtiger Teilelieferant für die weltweite Energiewende ist – der Schaeffler AG. Mit der Übernahme von Vitesco Technologies zum 01.10. haben wir künftig etwa 125.000 Angestellte. Künstliche Intelligenz ist ein enorm wichtiges Thema für uns alle und die Breite ist enorm. Das fängt vom eigenen ChatBot an, den man selbst einfach trainieren kann, um z. B. Tätigkeiten des Alltags zu beschleunigen, in dem Inhalte durch die KI, wie für Präsentationen, generiert werden können. Auf der anderen Seite kommt KI aber auch in der Produktion zum Einsatz, in dem der Output von Sensoren durch KI viel besser analysiert werden kann, als es je ein Mensch machen könnte. Aber auch in der Produktentwicklung ist sie ein großes Thema.
    Natürlich ist Schaeffler ein Weltkonzern mit anderen Möglichkeiten als ein mittelständisches Unternehmen, aber KI kann überall zum Einsatz kommen. Ein Kaufbeurer Schuldirektor lässt sich beispielsweise seine Emails mit KI schreiben um einfach mehr Zeit für essentiellere Dinge zu haben.

    Jedes Unternehmen hat seine KI-UseCases, sie sind auch so individuell wie das Unternehmen selbst. Aber wie soll man herausfinden, wie die künstliche Intelligenz ein Unternehmen weiterbringen kann, wenn man sich in den nächsten drei Jahren nicht einmal damit beschäftigen möchte? Die Konkurrenz wird es vermutlich, denn laut einer Umfrage von INNOFACT im Auftrag der msg Gruppe im Jahr 2023 zeigt, dass bereits 82,1% der befragten Unternehmen generative KI zumindest experimentell einsetzen und 80,3% möchten KI sogar noch intensiver nutzen [1]. Und generative KI ist nur ein Teil des KI-Spektrums.

    Warum möchten sich zwei Drittel der Ostallgäuer Unternehmen nicht mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen? Ich kann es leider nicht sagen, freue mich aber gerne über Erklärungen.